postheadericon Danjiri Festival



Heute früh sind wir schon um 5 Uhr von dem Krach der Trommeln, Schellen und Flöten der Danjiri-Wagen aufgeweckt worden.
Seit unsere Ankunft in Izumi hören wir jeden Abend (!) die Danjiri-Gruppen für die Hochzeit des Danjiris proben und heute ist es endlich so weit.

Danjiri ist eine Festivität zum Danke der Ernte (so wurde es uns gesagt) bei der ein hölzerner, tempelähnlicher Wagen von Dutzenden von Männern, Jugendlichen und Kindern an zwei langen, dicken Tauen durch die Straßen gezogen wird. Eine Stadt oder ein Ort kann dabei mehrere verschiedene Stadtviertel haben, alle mit einer eigenen Gilde/Zunft, verantwortlich für ihren eigenen Danjiri Wagen. Man kann sich vorstellen: hier geht’s ab! Das Fest geht über 3 Tage hinweg und die Danjiri-Gruppen rasen an diesen drei Tagen, drei Mal täglich mit viel Lärm und Getöse durch die Straßen der Städte.

Anlässlich des Festes tragen alle ein gedrehtes Handtuch als eine Art Stirnband um den Kopf, sowie ein Happi, eine traditionelle japanische Jacke, die üblicherweise aus indigoblauer oder brauner (oder wie bei uns: schwarzer) Baumwolle besteht, und traditionell mit einem Mon, einem Emblem (– ähnlich einem Wappen), bedruckt ist.
Alles in allem ein wirklich sehr schöner und beeindruckender Anblick. Aber noch viel beeindruckender, aufregender und mitreißender wenn man Teil des ganzen Geschehens sein darf! 😀

Durch einen japanischen Kommilitonen an unserer Uni hatten wir die Möglichkeit bzw. das Glück einmal beim Danjiri Festival mitzulaufen.
Schon am Tempel wo sich alle für eine Mittagspause zusammengefunden haben, wurden wir mit einer unglaublichen Herzlichkeit begrüßt und aufgenommen. Uns wurde direkt ein Karton mit Onigiri (= gefüllte Reisbällchen, in einer zumeist dreieckigen Form, mit Nori-Algen umhüllt) überreicht und das erste Bier angeboten (man bemerke es war vor 12Uhr!). Die Herren der Schöpfung waren natürlich direkt glücklich! Aber da wussten sie auch noch nicht was sie später erwarten würde 😛
Vor allem die Kinder hatten ein großes Interesse an uns und sehr viel Spaß Fotos mit uns zu machen.

Nach der kleinen Mittagspause wurden uns dann die traditionellen Happis gegeben und die Männer in unsere Gruppe durften sich sogar komplett in die traditionelle Kleidung (mit Hose und Schuhe) einkleiden lassen. Als sich dann alle wieder gesammelt haben, ging es los! Der Danjiri Wagen wurde in abwechselnder Geschwindigkeit, zwischen schnellem Laufen und Rennen durch die Straßen gezogen. Während unserem kleinen Marathon wurden immer wieder (Schlacht-)Rufe wie „Hoisa” oder „Sorija“ mit kriegerischem Geschrei wiederholt. Vor allem die Kurven in den kleinen Straßen waren ein aufregendes Spektakel, weil sich die Wagenzieher ruckartig in die Kurven lehnen mussten um den Festwagen in eine neue Richtung zu bringen.
Zum Glück mussten wir dem Wagen nur hinterherlaufen, denn es war wirklich sehr anstrengend zwei Stunden (fast) ohne Unterbrechung in der prallen Sonne wie Verrückte umher zu rennen. Das galt nicht unbedingt für die Männer in unserer kleinen Gruppe von internationalen Studenten. Nach der ersten halben Stunde wurden diese nämlich in das Wagenziehen eingewiesen und durften den Wagen mitziehen.

Am Ende der Danjiri-Runde wurde an alle Eis am Stiel verteilt, auch an uns 🙂
Mittlerweile haben wir uns echt schon richtig als Teil der Danjiri-Gruppe gefühlt und waren erfüllt von Glückshormonen, Adrenalin und dem dankbaren und geehrten Gefühl diese wundervolle Erfahrung machen zu dürfen.
Als wir uns dann von der Gruppe verabschiedeten, versuchten wir unsere große Dankbarkeit so gut wie möglich auszudrücken und machten uns ganz langsam (weil sehr schwere Beine) auf den Heimweg.

postheadericon Bilder zu Einleben, Feierei & Purzeltag


postheadericon Orientierungswoche – Osaka Schloss, Shitennoji Tempel & Erdbebenzentrum



Bei der Masse an Eindrücken die ich hier tagtäglich erlebe, bräuchte ich eine kleine Ewigkeit all das in Worte zu fassen.
In den letzten Wochen ist so viel passiert und irgendwie rauscht die Zeit hier an einem nur so vorbei. Zwischendurch wünschte man sich fast manchmal einen Stopp-Button für eine kleine Sinnes-Auszeit, um eine Sekunde zu fassen und einen Blick drauf zu werfen was da um einen gerade alles passiert.
Aber irgendwie ist dieser Sinnes-Erlebnis-Rausch auch sehr spannend und ich lasse mich gerne darin treiben.

Letzte Woche war Orientierungswoche.
Zum einen mussten wir durch einige organisatorische Programmpunkte, hier nur ein kleiner Abriss dessen: Versicherungsbezahlung, Kurseinschreibung, Ausstellung unserer Studentenausweise, Einweisung in den Computerraum der Universität, Einweisung in den Trainingsraum der Universität, Fahrradlotterie (in der ich leider nicht gewonnen habe, aber es geschafft habe einem Gewinner das Fahrrad abzuschwatzen :D), Cross Culture Orientation (hier haben wir ein wenig zur Kultur Japans, insbesondere der Kultur Osakas erfahren und was wir beachten sollen), Risk Management Orientation (hier ging es um die Risiken, die einen in Japan erwarten können und worauf man achten muss), Campus Tour und Evakuierungstraining aus unseren Appartements (sogenannter „Earthquake Evacuation Drill“ – welcher uns auch einige Kilometer Marsch in praller Sonne gekostet hat)…

Zum anderen gab es auch ein paar sehr schöne Programmpunkte wie unseren Ausflug („Field Trip“) nach Osaka zum Osaka Schloss, zum Shitennoji Tempel & zum Erdbebenzentrum.


Außerdem war ja noch mein Geburtstag (22… puhh >.<), den wir gebührend direkt 2 Tage gefeiert haben. Den einen Tag sind wir Karaoke singen gegangen (war sozusagen die Aufwärmphase fürs Reinfeiern) und den anderen Tag (mein eigentlicher Geburtstag) wurde dann hier im Studentenwohnheim nochmal auf den Putz gehauen. Man merkt ich habe mir hier eine ziemlich feiermuntere Truppe angelacht 😛 (Bilder dazu gibt es dann irgendwann demnächst) Nach meinem Geburtstag folgten übrigens noch 3 weitere Geburtstage die natürlich alle gleich exzessiv gefeiert werden mussten (nur der Fairness halber versteht sich^^).
Aber nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht… hier wird auch gelernt (zumindest fangen wir so langsam an)!
Am Dienstag ging‘s nämlich so richtig mit Uni los! Wir haben unsere ersten Vorlesungen gehabt und die Leistungserwartung und der Workload sind von Fach zu Fach bzw. von Dozent zu Dozent erstaunlich unterschiedlich.
In den ersten beiden Vorlesungen bin ich fast eingeschlafen (aufgrund von sehhhr lahmer Sprechgeschwindigkeit – und das ist noch untertrieben), wogegen ich dann bspw. im Japanisch-Kurs an die Grenzen meiner Aufnahmefähigkeit gestoßen bin. Ich bin gespannt wie es sich so im Laufe des Semesters entwickelt.

Apropos Japanisch. Viele haben mich vor meinem Abflug gefragt ob ich schon ein bisschen japanisch spreche – die Antwort war dann meistens: „Nope, kein Wort!“
Mittlerweile kann ich zwar schon ein paar mehr Wörter und Phrasen als Guten Tag, Danke & Entschuldigung (3 Ausdrücke die Lebensnotwendig sind und die einfach immer gehen!!!) sagen, allerdings fühle ich mich sprachlich gesehen hier schon ein wenig hilflos.
Die goldene Regel: „Mache es immer so wie es die Einheimischen tun!“ geht zwar auch in Bezug auf Einkaufen und Essen oft ganz gut, aber oft halt auch leider nicht. Teilweise haben die Japaner schon einen komischen Geschmack… mit dem Sortiment an getrocknetem Fisch, bestimmten eigenartig schmeckenden Erfrischungs(tee)getränken oder dem fettreichen Fleischangebot kann ich mich momentan noch am wenigsten anfreunden. Aber ab und an mache ich dann auch positive Entdeckung wie beispielsweise mit einem mir unbekannten Grünzeug was gut schmeckte und günstig war oder einem blinden Griff in das vielfältige Snackangebot!
Außerdem habe ich in den letzten Tagen auch viele neue und traditionelle Leckereien aus der Region kennengelernt, die wir zusammen mit unseren RA’s hier im Wohnheim zubereiten haben: zum einen Takoyaki (kleine Teigbällchen mit einem kleinen Stückchen Oktopus in der Mitte – hier mehr dazu) und zum anderen japanischer Hotpot (prinzipiell gleich mit dem chinesischen, nur mit dem Brühgeschmack Kimchi).

Es gibt wie immer viel zu viel zu erzählen und wäre es nicht schon wieder 24 Uhr hätte ich vielleicht noch ein wenig mehr Motivation…
Naja, ich hoffe ich konnte die Neugier von einigen Menschenkindern für‘s Erste stillen und verabschiede mich mit einem „Oyasumi nasai“ (Gute Nacht).

postheadericon Ausflug in einen Bambuswald und zu einem japanischen Schrein


postheadericon Bilder von Osaka & Osaka Aquarium



Vor einigen Tagen haben wir einen Tagesausflug nach Osaka gemacht und sind dabei unter anderem ins Aquarium gegangen! Es war ein wirklich schöner und langer Tag 🙂

postheadericon Einleben Teil I

Sich in einer neuen Umgebung, einer neuen Kultur und in einer neuen Sprache zurecht zu finden ist anfangs meist nicht so leicht und bedarf einiger Zeit.
Daher hier nun ein erster Happen an Information zu meinem Einlebversuch.

Zuerst aber ein wenig zu meinen neuen 4 (dünnen) Wänden!
Mein Appartement hat eine vergleichbare Größe zu dem welches ich in Düsseldorf hatte (ca. 20m²), nur dass ich hier sogar noch einen kleinen Balkon habe 😀
Die Ausstattung ist wirklich bemerkenswert! Ich besitze eine eigene Waschmaschine, Mikrowelle, Reis- & Wasserkocher, Klimaanlage, einen Staubsauger (den man vorher aufladen muss) und sogar einen Fernseher (den ich wahrscheinlich nie benutzen werde, aber ich hätte die Möglichkeit)!
Zudem hatte ich das große Glück dass meine Vormieterin mir einige sehr nützliche Sachen überlassen hat (Teller, Tassen, Besteck, 2 Töpfe, Minibügeleisen, Grill-Ofen, Fön). Somit musste ich nur weniges an Haushaltskram neu kaufen 🙂
Bei der Bekanntmachung mit den Haushaltsgeräten kam ich dann allerdings leider an die Grenzen meiner Fähigkeiten. Meine Waschmaschine ist mit jeder Menge Knöpfe, Lichter & Schriftzeichen versehen und erzeugte bei mir zunächst ein paar große Fragezeichen im Gesicht. Mit Hilfe von zwei RA’s bin ich mittlerweile mehr im Bilde und habe meine Waschmaschine mit beschriebenen Post-It’s beklebt. Ich freue mich jetzt schon auf das Erlebnis Wäschewaschen!
Ach ja, und dann war da ja noch der Reiskocher. Den habe ich mir auch direkt zwei Mal erklären lassen und prompt ebenfalls mit meinem neuen besten Freund Post-It versehen. Als ich dann nun letztens den ersten Versuch Reis im Reiskocher zu kochen startete, war ich anfangs echt noch sehr skeptisch ob das was wird… Doch der Reiskocher war gütig und hat nach fast einer Dreiviertelstunde perfekten japanischen Reis ausgespuckt! Ich war begeistert, bleibe aber trotzdem skeptisch gegenüber diesem kleinen Reisbrodler.

Einkaufen in Japan ist auch ein einziges Abenteuer. Man könnte Stunden in einem Supermarkt verbringen und wäre danach kaum klüger. Bis dato war Einkaufen eigentlich unsere Hauptbeschäftigung, was zum einen unseren mangelnden Japanischkenntnissen und diesen doch so sehr anderen Produkten und andererseits den auch sehr geringen Englischkenntnissen der Japanern zu danken ist. Zudem sind auf den Verpackungen kaum Bilder zu sehen, wodurch auch raten sehr schwierig ist. So werden uns auf jeden Fall in Zukunft noch einige ungewollte Fehlkäufe unterlaufen, wie mir erst letztens, als ich Kaffee kaufen wollte und stattdessen Milchpulver bekam.
Daher scheint jeder Einkauf momentan wie ein kleines Überraschungsei, insbesondere wenn man zu sehr japanischen Produkten greift.

Die Preise für Lebensmittel sind (bei vergleichendem Einkauf) vom Preisniveau vergleichbar mit deutschen Preisen. Nur für einige Produkte wird eindeutig zu viel verlangt! Ich musste mir hier beispielsweise ein neues Deospray besorgen, welches zu meinem Erstaunen mit satten 5€ in die Kasse schlug. Und dabei handelte es sich schon um eines der günstigsten Deodorants. Ebenso sind die Preise für Reis: 5kg = ca. 15€. Was ja eigentlich recht verwunderlich ist, wo die Japaner doch (fast) täglich Reis essen…
Zu meinem Leid gehören Gemüse und vor allem Obst zu den sehr teuren Produkten hier. Die Produkte an sich sehen zwar alle wie gemalt aus und haben eine top Qualität, aber wenn man den Yen Preis dann mal in Euro umrechnet muss man schon schlucken.
Hach,.. und Brot ist hier eine Katastrophe (zumindest für meine Ansprüche)! Es gibt so ziemlich ausschließlich Toast oder Toast-ähnliches Brot. Noch zehre ich von meinem aus Deutschland mitgebrachten Vollkornbrot-Vorrat, der von Tag zu Tag wertvoller wird. Aber schon bald werde ich mich wohl oder übel dieser schlimmen asiatischen Brotkultur unterwerfen müssen :‘(
In meiner Verzweiflung habe ich sogar schon im japanischen Amazon erfolglos gesucht! Man sieht die Situation ist ernst!

An die Zeitverschiebung habe ich mich nach den ersten 3 Tagen gut gewöhnt, nur macht mir das unerwartet heiße Wetter ein wenig zu schaffen. Derzeit haben wir Temperaturen um die 30°C. Was an sich ja prinzipiell kein Problem wäre, wenn denn wenigstens ein Hauch von Wind gehen würde und es nicht so drückend schwül wäre. Ich schwitze ohne mich nur einen Zentimeter zu bewegen und das ist für mich (Frostbeule) schon ein recht erstaunlicher Zustand!
Das Ding ist halt auch dass ich diese Temperaturen, zu dieser Jahreszeit, hier, echt nicht erwartet habe! Meine Kleidung ist ganz klar auf Herbst/Winter ausgerichtet.. und nicht Dampfsauna.
Naja, meckern hilft auch nicht. Es wird schon irgendwann kühler werden 😉

Für alle die mir gerne mal was schreiben oder schicken wollen (worüber ich mich seeehr freuen würde), hier ist meine Adresse:

Maison de Eleve Karakuni, Room 503
1-12 Karakuni-Cho
Izumi City, Osaka
Japan
Postal Code: 594-1151

postheadericon Bilder von Izumi


Hier kann man sich die ersten Bilder von Izumi anschauen 😉

postheadericon Und die Reise beginnt…



Zunächst einmal ein „Konichiwa“ an alle die wieder an meinen Berichten teilhaben 🙂


Am Morgen des 4. September ging es für meine Freundin (Kommilitonin & Nachbarin) Sotoudeh und mich auf die Reise Richtung Abenteuer Japan.

Unsere Anreise sah also wie folgt aus:
11.10 Uhr Abfahrt Münster Hbf -> 12.45 Uhr Ankunft Düsseldorf Flughafen
15.45 Uhr Abflug in Düsseldorf -> ca. 6 Stunden Flug -> 24.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr Deutschlandzeit) Ankunft im Dubai
2.15 Uhr Ortszeit (00.15 Uhr Deutschlandzeit) Abflug in Dubai -> ca. 8 Stunden Flug -> 17.00 Uhr Ortszeit (10 Uhr Deutschlandzeit) Ankunft in Osaka

Insgesamte Flugzeit: ca. 15 Stunden
Insgesamte Reisezeit: ca. 23 Stunden

Vor Abflug bangten wir allerdings noch um unser Gepäckgewicht… Zugelassen waren 30kg Reisegepäck und 7kg Handgepäck.
Jedoch waren wir beide 3kg über dem vorgeschriebenen Reisegepäck und hätte man mein Handgepäck gewogen wäre ich wahrscheinlich wirklich aufgeschmissen gewesen. Denn mein Handgepäck hat stolze 12kg auf die Waage gebracht 😛
Zum Glück ist alles gut gegangen und der nette und gelaunte Steward hat uns mit einem Augenzwinkern durchgewunken.

Nach Abflug in Dubai konnten wir die erste japanische und sehr amüsante Kuriosität beobachten: Direkt nachdem das Sicherheitssignal aufgehoben wurde und man sich vom Sitz entfernen durfte, sind alle Japaner von ihren Sitzen aufgesprungen und haben sich in dem recht leeren Flugzeug auf den Sitzen verteilt. Allerdings nicht aus dem Grund dass sie sich vielleicht direkt über die 4 Sitze hinweglegen und schlafen. Eher sah es so aus als hätten sie gerade alle keinen Bock mehr auf einander. Ein recht heiteres und verwunderliches Treiben direkt nach dem Start.

Am Flughafen von Osaka wurden wir dann sehnsüchtig von einer sogenannten RA (Residence Assistent = Wohnheim Assistenz) empfangen. Haruka, die kleine und zierliche Japanerin, welche zum ersten Mal den Abholjob übernahm, war hyper aufgeregt und hat sich mit einer großen Höflichkeit für jede kleinste Kleinigkeit geschämt und entschuldigt, was sie in ihrem Auftreten einfach nur immer niedlicher machte.

Zusammen mit Haruka warteten wir dann noch 40 Minuten auf einen weiteren Neuankömmling. Der Pole mit Spitzname Kuba (von Jakub) trottete mit einer großen, schweren Tasche in die Ankunftshalle und machte zunächst einen eher ruhigen und zurückhaltenden Eindruck, welcher sich in der anschließenden Busfahrt allerdings ganz und gar nicht bestätigte. Er ist ein recht munterer, gesprächiger und Wodka-liebender Typ, was bei einem Polen ja eigentlich nicht wirklich verwunderlich ist…^^

Am Hauptbahnhof von Izumi angekommen sollte es dann mit einem Taxi weiter zum Studentenwohnheim gehen. Und hier war dann Kuriosität Nummer 2 zu beobachten: die Türen der Taxen öffneten sich komplett automatisch. Im Dämmerlicht der Straßenlaternen erinnerte es irgendwie schon ein wenig an einen Gruselfilm, allerdings waren die mit Spitze verzierten Sitze des Taxis dann wiederum so süß dass die Türe schon wieder komplett vergessen war.

Nach unserer Ankunft im Studentenwohnheim und kurzer Einweisung in die Appartements, hatten wir knappe 15 Minuten zum Duschen, bevor wir dann weitere internationale Studenten und RA’s kennenlernten und alle zusammen auf Kosten der Uni essen gingen. Und ich kann nur sagen es war guuuut! Sehr guuuut! 😀

Als wir wieder zurück im Studentenwohnheim waren, sind wir nach über 24 Stunden auf den Beinen sehr, sehr müde auf unsere 4 cm dicke Matratze gefallen und in einen tiefen Schlaf gesunken.

postheadericon Bald geht es wieder los!



Diesmal heißt das Ziel Japan!


postheadericon „Das Wort zum Schluss“



10 Monate unterwegs und unter Wegs und irgendwie doch immer noch auf dem Weg.

Nein, ich möchte jetzt wirklich nicht theatralisch, melancholisch oder sonst wie klingen. Aber das war so das Erste was mir in den Kopf kam als ich rückblickend über meine Reise nachdachte. 😉

Es ist schwierig ein abschließendes Wort am Ende einer langen, aber irgendwie doch sehr kurzen Zeit mit so vielen Erlebnissen und Eindrücken zu verfassen, was ich eigentlich hiermit auch gar nicht tun will. Ich möchte nicht abschließen, allerdings versuche ich meine Reise bis hierhin ein wenig zusammenzufassen und ein Zwischenresumé zu ermitteln.

Zunächst sollte ich sagen war die Reise lehrreich!

Ich habe viel dazu gelernt:
Ich weiß nun wie man in Syrien Taxi und in Thailand Tuk Tuk fährt, wie man so gut handelt, dass der Verkäufer schon gar keine Lust mehr hat einen übers Ohr zu ziehen, wie man einen Elefanten reitet, wie man trampt, wie man Mandeln und Blaubeeren pflückt, wie man Pasta macht, wie man ein Zelt in weniger als fünf Minuten aufbaut, wie es sich anfühlt aus 12000 feet aus einem Flugzeug zu springen, wie man taucht, wie man ‚Bula‘ tanzt und Fijis Macarena beibringt, wie ungenießbar der Geschmack von Vegiemite ist oder wie „Toast“ auch „Brot“ sein kann (Aussie, NZ und Staaten).

…auch zwischenmenschlich habe ich dazu gelernt:
Es geht viel darum wie man Menschen begegnet und gegenüber tritt!
So ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt und erfahren habe, dass ein Lächeln mehr bewirkt als tausend Worte und die am schwersten abzuwehrende Attacke ist.

…und nicht zuletzt habe ich durch all diese Erfahrungen viel an persönlichen Fazits mitgenommen:
Ich bilde mir ein, selbstbewusster und offener auf Menschen zuzugehen, gelassener Situationen entgegen zu treten und Probleme nicht allzu dramatisch zu sehen!

Allgemeine Katastrophenbewältigung – in Sachen Gesundheit: Lebensmittelvergiftung, Natur: Überflutungen, Zyklonen, Erdbeben und Situationen: unerwartet, nächtlicher Besuch eines Thailänders oder einer neuseeländischen Rangerin des D.O.C., etc.
war gewissermaßen eine Hilfe dabei.

Außerdem begegnet man vielen Menschen mit verschiedenen Ansichten und Denkweisen.
Wobei mir ein Zitat von Alexander von Humboldt: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“, doch auch oft in den Gedanken kam.
Es ist unglaublich wie teils Menschen von Vorurteilen, Ängsten und Sorgen belastet sind und sich davon einschränken lassen. Umso schöner ist es dann zu Versuchen ihnen eine andere Sichtweise zu verschaffen oder anders herum, eine andere zu bekommen!

Das Trampen, aber insbesondere das Couchsurfen, bei so vielen und verschiedenen Leuten, waren dabei ebenfalls von Bedeutung und einmalige Erfahrungen. Man ist weniger als Tourist und mehr als Entdecker des normalen Lebens unterwegs, was ich wirklich sehr zu schätzen lernte und mich deswegen bei all meinen Hosts, ob häuslich oder auf der Straße, bedanken möchte!

Auch wenn ich auf Reisen auf diese Weise zeitweilig ein temporäres zu Hause hatte, freue ich mich sehr nach 10 Monaten auf Reisen wieder nach Hause zu kommen und all meine Geliebten in den Arm zu schließen. Denn wie bereits ein sehr berühmter Autor einmal sagte: „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben.“ (Theodor Fontane)

Das Wort Heimat gewinnt eine vollkommen andere Bedeutung, wenn man meist nur eine kurze Zeit an einem Ort verbringt! Man könnte fast sagen, dass es sich anfühlt als würde man Heimat mit sich tragen, aber nicht mehr wirklich besitzen. Man ist einfach da zu Haus wo man ist!
Es ist zwar wirklich schön von allem irgendwie losgelöst, mobil und frei zu sein, allerdings fühlt es sich wirklich schön an sein Backpack auszupacken, zu wissen längere Zeit an einem Ort zu verbringen und gewissermaßen „Wurzeln zu schlagen“.

Man lernt unterwegs Dinge zu schätzen, welche zuvor von nicht allzu großer Bedeutung schienen.

Es sind eigentlich eher die kleinen Dinge, wie beispielsweise „deutsches Brot“, Quark, das man als Deutscher international einen gewissen Ruf schätzt (den ich vorher nie wirklich wahrnahm), Nachrichten und im Allgemeinen: Informationen, Fahrrad fahren, ein Kinobesuch, ein Scrabble-Spiel mit meiner Mama, das Gefühl gebügelter Kleidung, ein eigenes Bett (wo man nicht darüber nachdenken muss wie viele andere Menschen bereits vor einem in diesem geschlafen haben) oder einfach nur eine liebevolle Umarmung.
Auch Privatsphäre gewinnt eine andere Bedeutung.

Wundervolle Dinge, die ich erleben durfte, insbesondere das Zwischenmenschliche (wie beispielsweise die selbstlose Initiative des Taxifahrers in Bangkok) waren Höhepunkte die ich nicht vergessen werde!

Reisen ist wie Schokolade essen, Backlawa in Syrien, frische Früchte in Thailand, Tim-Tam’s in Australien, Hokey-Pokey Eiscreme in Neuseeland, Kokosnüsse in Fiji oder heiße Schokolade mit Mini-Marshmallows in Amerika: man kriegt nie genug und man will immer mehr!

Von daher, war das nur der Anfang meiner Reise…
Voller Vorfreude sehe ich bereits meiner nächsten Reise und neuen Abenteuern entgegen, und wenn ich Eines gelernt habe, dann war es, dass der Horizont kein Ende kennt! 😉

Vielen Dank an alle die mich auf meiner Reise unterstützt, meine Berichte fleißig verfolgt und Ratschläge gegeben haben! 😉

Einen besonderen Dank und ein dickes Entschuldigung geht an meine Familie, welche mir in heiklen Situationen von Deutschland aus genügend Backup gaben, um niemals in eine verzwickte Lage zu gelangen und dabei wahrscheinlich meist aufgeregter und besorgter waren als ich selbst. Danke! 😉